Dienstag, 3. Februar 2009

Glasvegas, Essen, 22.11.08


Interview: Glasvegas
Ort: Grugahalle, Essen
Datum: 22.11.2008
Anwesend: Caroline McKay (Schlagzeug) und Rab Allen (Gitarre), sowie Oliver S. fürs Konzerttagebuch


Um Glasvegas kommt man zur Zeit irgendwie nicht herum. Die erste Clubtour durch Deutschland war allenorten ausverkauft, auch ohne aktuelles Album am Start und da dieses nun endlich auch bei uns erscheint, prangert es überall als Album der Woche.
Wir hatten das große Glück, diese sympathische Band aus Glasgow interviewen zu dürfen.

Ich habe um 14 Uhr einen Termin mit Caroline und Rab. Da es in der vergangenen Nacht geschneit hat und die deutschen Autofahrer bei zwei Gramm Schnee immer in Panik verfallen, habe ich vorscihtig kalkuliert und bin ich schon eine halbe Stunde früher vor Ort. Und keine Sekunde zu spät, wie sich herausstellt. Denn genau in dem Moment, als ich aus dem Auto steige, klingelt das Handy und meine Ansprechpartnerin von der Sony erklärt, dass es aufgrund der Witterung (jaja) Probleme mit dem Ablauf gibt, da andere Redakteure nicht rechtzeitig vor Ort sein können. Ich werde in den Catering Bereich beordert und schleiche mich unbeachtet in die Halle. Nur weiß ich nicht, wo um Herrgotteswillen hier die Cafeteria ist. Doch da läuft mir ein ehemaliger Kollege vom WDR über den Weg, der mir freundlicherweise den Weg dorthin beschreibt. Ich wandere also langsam quer über die Bühne, auf der zum momentanen Zeitpunkt noch reges Treiben herrscht, und bin am Ziel. Eine freundliche junge Dame geleitet mich dann in den über uns gelegen Stock in einen Raum, in dem ich auch meine Gesprächspartner warten soll. Schon der Aufgang zu diesem Raum, der mit lauter Plakaten aus der Geschichte der Essener Grugahalle mehr oder minder vollgehängt ist, beginnt in mir die Ehrfurcht für dieses Gebäude zu schüren.

Pünktlich um zwei betreten Caroline (C) und Rab (R) den Raum. Mit dabei haben sie auch Geraldine (ja, die Dame nach der gleichnamiger Song benannt wurde) und zwei große Teller mit Würstchen, Schnitzeln und Brötchen.

Konzerttagebuch: Es ist das erste Mal, dass Ihr hier in Deutschland spielt, alle Konzerte waren ausverkauft, euch scheint ein unglaublich großer Ruf vorauszueilen. Wie fühlt sich das an, schon im Voraus so viele Lorbeeren zu kriegen.

R: Das ist total überraschend für uns, wir dachten, da kämen vielleicht zwei Leute oder so zu den Shows, so wie das halt auch damals war, als wir in Großbritannien in Clubs zu spielen. Nun aber waren alle Shows komplett ausverkauft, das ist unglaublich, besonders in Deutschland waren die Konzerte klasse. Man hatte uns vorher erzählt, die Deutschen schätzen gute Musik, aber sie gehen nicht besonders mit, aber es war genau umgekehrt, alle sprangen und sangen unsere Songs mit, das hatten wir gar nicht so erwartet.

Das deutsche Publikum ist aber auch ein hartes Publikum, man muss hier schon immer und immer wieder herkommen und spielen, um langfristig erfolgreich zu sein.

C: Ja, das ist es auch was man uns immer gesagt hat. Aber es scheint gar nicht so zu sein, alle die wir trafen, waren so glücklich und sangen Zeile für Zeile mit. Das war für uns gar nicht schwer, hier Fuß zu fassen. Also kein großer Unterschied zu den anderen Gigs, die wir bisher gespielt haben.

R: Nun, wenn du einen Markt erobern willst, musst du halt hart arbeiten, dass ist überall so, besonders in Europa.

C: Deutschland ist auch ein sehr schönes Land. Es wird also nicht wirklich so schwer für uns sein, zurückzukommen und für euch zu spielen.

Was sind den nun eure Pläne für die Zukunft, was den deutschen Markt angeht, euer Album erscheint hier ja erst Ende Januar? Und dann seid ihr ja auch erst einmal auf ausgedehnter Tour in eurer Heimat unterwegs.

R: Ja, wir werden im Februar / März erneut hier unterwegs sein, wir spielen dann eine Show mit Oasis, ich glaube in München. Wir werden dann wohl auch ein paar eigene Konzerte spielen. Ich denke Deutschland ist schon ein sehr wichtiger Markt für uns, genauso wie z.B. Frankreich. Es ist unser erklärtes Ziel, bei euch groß raus zu kommen. Das heißt, wir werden in der Zukunft hoffentlich sehr oft hier sein.

Du hast gerade Oasis erwähnt, ihr habt ja bereit mit denen eine gemeinsame Show gespielt, richtig?

C: Ja, das ist richtig.

Das ist aber auch nur eine von vielen spannenden Sachen, die euch in den vergangenen ein bis anderthalb Jahren passiert sind. Könnt ihr ein wenig darüber erzählen, wie sich euer Leben so verändert hat?

C: Ja, das war eine unglaubliche Zeit. Wir waren Support von Bands wie Oasis oder Ian Brown. Das ist eine sehr große Ehre für uns gewesen. Aber die Dinge haben sich konstant entwickelt. Wir begannen 2008 damit, im Januar und Februar unser Album in Brooklyn, New York einzuspielen. Danach haben wir viel in Großbritannien getourt, im Sommer haben wir dann viele Festivals gespielt, unter anderem auch zwei in Europa, in Barcelona und Madrid. Danach haben wir wieder eine Großbritannien Tour gemacht, um im Anschluss daran in den Vereinigten Staaten ein paar Shows zu spielen. Das war schon sehr viel Trubel. Und dann sind wir nach der US Tournee gleich nach Transsilvanien geflogen, um unser Weihnachtsalbum auszunehmen, was schon sehr verrückt war.

R: Danach haben wir erneut ein paar vereinzelte Shows in Großbritannien gespielt und viel Promotion für unser Album gemacht. Ich glaube, wir sind jetzt beinahe ununterbrochen seit November 2007 unterwegs. Wenn es hochkommt, hatten wir vielleicht mal 2 Wochen dazwischen frei.

C: Ich glaube man kann schon sagen, wir sind eine hart arbeitende Band.

R: Und ich glaube nicht, dass das kommende Jahr für uns besser wird, denn dann erscheint das Album ja schließlich überall. Aber es macht uns ja auch Spaß zu spielen.

Obwohl bei uns ja noch nicht einmal euer Album erschienen ist, scheinen die Leute schon über euer Weihnachtsalbum zu reden, das ihr in Transsilvanien aufgenommen habt. Vielleicht könnt ihr ein wenig mehr darüber erzählen?

R: Ich glaube, James wollte das einfach schon immer machen und das ist über das letzte Jahr hinweg halt so gewachsen. Unsere Plattenfirma meinte, ja, macht das, das ist eine klasse Idee. James hat dann Songs geschrieben, die sehr gut waren. Ich glaube auch, er war es, der unbedingt nach Transsilvanien wollte. Schon als Kind hat er sich zu Halloween immer als Dracula verkleidet.

C: Er ist der ‚Seecret Vampire’ so nennen wir ihn immer.

R: Transsilvanien hat dann auch irgendwie zu dem Konzept gepasst. Es hat durch die Umgebung letztendlich auch so seinen ganz eigenen Spirit bekommen. Denn kann man – glaube ich – auch hören, wenn man das Album hört. Ich bin eigentlich recht glücklich damit und es war schon besser als das ganze irgendwie in Glasgow aufzunehmen. Es ist halt ein sehr unnormaler Platz.

Weihnachten muss also schon was sehr Wichtiges für euch sein?

C: Sehr wichtig!

R: Ja, sehr!

C: Es ist die Zeit im Jahr, wo man mit der Familie und Freunden zusammenkommt.

R: Für uns ist es dieses Jahr sowieso sehr besonders, denn wir haben Urlaub und werden zu Hause sein! Wir werden auch als Band zusammenkommen und feiern, dass wird bestimmt eine prima feucht fröhliche Sache.

Aber lasst uns doch mal über eure Musik sprechen. Als ich euer Album zum ersten Mal gehört habe, hat mich der Sound weggeblasen. Ein Sound irgendwo zwischen Interpol und The Smith bzw. Morrissey, aber doch eigen und total eingängig. Wie lange habt ihr gebraucht um euren Sound zu erschaffen, oder war es von Anbeginn das, was an Output bei Proben herauskam?

R: Ich glaube es kam einfach aus uns heraus. Carolin spielt ja nur auf zwei Toms, die Drums sind daher sehr minimal, daraus ergibt sich halt viel Platz für die sehr sphärischen Gitarren. Wir wollten von Anbeginn an, dass wir klingen wie ein komplettes Streicherorchester. Das Ergebnis resultiert aus diversen Effekten, die wir ausprobierten. So bekamen wir am Ende was wir sollten, wirklich geplant war diese Art der Umsetzung aber niemals.

C: Die Dinge haben sich halt über die Zeit entwickelt und am Ende war das alles so selbstverständlich für uns. Anfangs waren wir ein wenig schneller, mit der Zeit sind wir aber ein wenig langsamer und simpler geworden in der Umsetzung unsere Musik.

Ihr bzw. James hat sehr viel an Eigenleistung in das Album gesteckt. Das ist ja eigentlich eher unüblich für eine Newcomer Band.

R: James hatte die Songs schon als Demos aufgenommen, bevor wir ins Studio gingen. Er hat uns dann nur noch die Demos in die Hand gedrückt und gesagt: Das ist das Album. Und so gingen wir dann ins Studio und nahmen alles so auf, wie er es sich gedacht hatte. Wir wussten also sehr genau, wie sich alles anhören sollte, als wir nach New York ins Studio gingen. Wir hatten ja auch schon sieben Songs live gespielt, als wir aufbrachen. Im Studio ging es dann nur noch darum, die Demos aufzupolieren und zu schauen, was wir den Songs noch geben können.

Caroline, was mich interessiert ist, ja, die Tatsache, dass du nicht wie eher üblich hinter dem Schlagzeug sitzt, sondern wie einige wenige dahinter stehst. Wie kam es denn dazu?

C: Die Geschichte ist etwas verrückt. Ich war ja mein ganzes Leben lang nie in einer Band bevor ich zu Glasvegas kam, mehr noch, ich wollte es nie. Dann habe ich James kennengelernt, später dann auch die anderen beiden und wir verstanden uns einfach richtig gut. Wir trafen uns bei mir zu Hause, hörten laut Musik und betranken uns [Rab imitiert derweil das Trinken aus einer Flasche]. Das war für uns eine art Notlösung, denn niemand in der Stadt war an der Musik interessiert, die wir hören wollten. Eines Tages kam dann die Frage, ob ich der Band nicht beitreten wolle. Meine Antwort war nur: WAS!? Seid ihr verrückt? Was soll ich den in einer Band? Ihre Antwort war: Du könntest unser Drummer sein. Sie haben mir dann beigebracht wie ich mit einer Floor Tom und einem Sampler umzugehen hätte. Anfangs hatten wir auch einen Drumcomputer, aber der war einfach nur schrecklich. [Rab lacht laut] Ich hatte Probleme mit den vielen Knöpfen und der Technik …

R: Sie hatte Probleme mit den Knöpfen …

C: Halt den Mund!

R: Die Maschine hatte acht Knöpfe, und sie konnte sich einfach nicht merken, dass nach Knopf eins Knopf zwei kommt und dann Knopf drei. Darum haben wir den Drumcomputer dann letztendlich abgeschafft.

C: Wir verwarfen also die Maschine und seitdem spiele ich Floor Toms, Snare, Tamburine und Becken. Das ich beim Spielen stehe, war auch von Anfang an so, ich habe nie gesessen, ich habe es mal probiert, aber das war nichts für mich. Desweitern bin ich ja ziemlich klein, man hätte mich wohl dann auch gar nicht mehr wahrgenommen auf der Bühne.

R: Wir wollten von Anfang an, dass sie steht, sie sieht doch gut aus. Warum hätte Sie also hinter den Drums sitzen sollen, wo man sie nicht gesehen hätte?

Bevor wir zum Ende kommen (müssen), habe ich noch eine Frage zu den Lyrics, vielleicht könnt ihr dazu ja was sagen, auch wenn James nicht hier ist. Ihr kommt ja aus Glasgow, zum einen habt ihr eine Anspielung darauf im Band-Namen und zum anderen scheint es mir, als ob auch die Texte sehr von eurer Umgebung beeinflusst sind?

R: Wenn du James nach dem Namen fragst und wieso er die Band so genannt hat, wird er dir sagen, dass er einen Namen für die Band suchte, der nicht widerspiegelt, was wir sind. Er dacht sich, wenn du den Namen hörst und dann später das Album hörst, denkst du, es sind zwei ganz verschiedene Teile, nichts was in Verbindung zueinander steht.

Vor unserem Gespräch heute habe ich sehr viele Text-Interpretationen von Fans im Internet gelesen. Ein Song der es anscheinend sehr stark diskutiert wird, ist Flowers & football tops. Zu den doch sehr liebevollen Diskussionen gesellen sich immer wieder Zitate von James, die diese letztendlich zerstören, vielleicht hier und jetzt für euch die Möglichkeit alles richtig zu stellen.

R: Leute interpretieren da immer soviel hinein. Ich glaube, dieser Song ist sicherlich beeinflusst durch den Tod eines Jungen. Zu dieser Zeit wurden sehr viele Menschen in Glasgow auf mysteriöse Weise getötet. Meist waren es Jungs. Es stand jeden Tag in den Zeitungen, James las davon und schrieb darüber. Es ging nicht genau über diesen einen Jungen. Er sah nur seine Mutter in der Zeitung und schrieb dann über einen beliebigen Menschen in Ihrer Position und wie dieser sich fühlen müsste.

C: Oder wie sich seine eigene Mutter an Ihrer Stelle fühlen würde, wenn er der Junge gewesen wäre.

R: Ich glaube, wenn James Texte schreibt, ist er tiefgehend und er beobachtet sehr genau. Es sind nicht immer seine persönlichen Erfahrungen, über die er schreibt. Wenn es hochkommt sind es 10% des Albums, die persönlich sind, der Rest ist Beobachtung. James nimmt alles sehr genau wahr, wenn er Zeitung liest, TV schaut oder ein Buch liest oder einfach nur spazieren geht. Er ist ein sehr empfindsamer, sensibler Charakter.

Etwas, was ich noch nie vorher so gehört habe, war, dass sich jemand klassische Musik zu Nutzen macht und darauf einen neuen Text dichtet. Ihr habt euch an der Mondscheinsonate versucht, wie kam es dazu?

R: Ich erinnere mich noch, wie James mit den Demos für Stabbed und S.A.D. Light in den Proberaum kam. Als er sie uns präsentierte, saßen wir da alle nur mit offenen Mündern und sagten nichts außer: WOW! Da war irgendetwas sehr Verrücktes in den Songs. Ich habe ihn dann gefragt, woher die Idee dazu stammte. James sagte dann, dass er eines Abends nach unseren Proben auf dem Weg nach Hause an einem Haus vorbeigekommen wäre, in dem jemand gerade die Mondscheinsonate hörte. Er war danach so fasziniert davon, dass der Text beinahe von alleine aus ihm heraussprudelte. Wir hatten vorher schon viel mit Musik versucht, aber nie was gefunden, was zu diesem Song passte.

Ich glaube wir müssen an dieser Stelle das Interview beenden, der nächste Redakteur wartet schon. Ich bedanke mich für das Interview und die Zeit die Ihr euch für uns genommen habt!



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