Freitag, 15. Juli 2016

Lush, Barcelona, 03.06.16

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Interview: Lush
Ort: Primavera Sound Festival, Barcelona
Datum: 03.06.2016
Anwesend: Emma Anderson (Gitarre, Gesang), Phil King (Bass) und Christoph vom Konzerttagebuch



"Du wirst kein Wort rausbringen," sagte mir eine Freundin, als ich von meinem Interview mit Lush erzählte und auch ich hielt das nicht für unwahrscheinlich. Lush sind meine Beatles, die liebste meiner Lieblingsbands, deren Musik mich seit den ersten Veröffentlichungen begleitet. Auch in den 20 Jahren seit ihrer Auflösung, die knapp zwei Jahre nach dem Selbstmord ihres Schlagzeugers Chris Acland passierte, hörte ich ganz regelmäßig Lush. 

Wegen der dramatischen Umstände des Bandendes schien eine Reunion grundsätzlich ausgeschlossen. "Das wird wegen Chris nie passieren," war herrschende Indie-Meinung. In den vergangenen Jahren konnte man (so man es wollte) aber viel zwischen Interview- und Facebook-Zeilen lesen und sich eine Rückkehr der Shoegaze-Sterne vorstellen. Mein Puls war dauerhaft auf eine höhere Stufe gesprungen, als Emma Anderson vor zwei, zweieinhalb Jahren bei Facebook gefragt hatte, ob jemand ihr eine wirklich innovative Bandwebsite nennen können. "Asking for a friend."

Seit Spätherbst gibt es Lush offiziell wieder. Im April spielte die Band ihr erstes Konzert nach 20 Jahren im Londoner Club Oslo, es folgte eine Tour durch Nordamerika, die beiden größten Headlineshows der Karriere im Londoner Roundhouse (Berichte hier und hier) und die späte Bestätigung fürs Primaverafestival. Kurz vor dem Auftritt auf der Geheimbühne traf ich Emma und Phil zu einem Interview. Das gestaltete sich erst schwerer als gedacht, weil überall Bands spielten und alles viel zu laut war. Wir gingen dann hinter die Geheimbühne, auf der gerade Los Hermanos Cubero spielte, eine sehr traditionell klingende spanische Band.


Emma Anderson: die sind nicht so laut, das sollte gehen.
Phil King: von wo in Deutschland kommst du?

Aus der Nähe von Köln.

Phil: Gibt es das Luxor noch in Köln?

Ja. Da habt ihr zweimal gespielt, glaube ich? Einmal mit den Pale Saints als Support.


Emma: Auf jeden Fall mehr als einmal. 

Ich habe euch damals verpasst, weil ich in einer kleinen Stadt studiert habe, von der aus Köln oder Frankfurt schwer zu erreichen waren. 

Phil: wie hieß der Club in Frankfurt noch mal? Der an den Gleisen?
Emma: Batschkäpp.


Dafür habe ich das jetzt nachgeholt und euch bei der Warmup-Show im Oslo und den beiden Konzerten im Roundhouse gesehen. 

Emma: Oh, danke!

Wie war das für euch, nach zwanzig Jahren wieder als Lush auf der Bühne zu stehen? 

Emma: Merkwürdig aber gut. Ziemlich merkwürdig.
Phil: Großartig war es!
Emma: Es war gut, daß wir das Warmup-Konzert in London gemacht haben. Ursprünglich sollte es vor den ersten Konzerten der Tour in Amerika stattfinden, wir wollten unseren Comeback-Auftritt aber unbedingt in London haben. 
Phil: Die Resonanz war sehr gut, das Publikum phantastisch!

Einer eurer Verstärker ist unmittelbar vor Konzertbeginn ausgefallen...

Phil: Mikis, oder?

... hat euch das nervös gemacht? Ich stelle mir das schwierig vor, so kurz vor dem ersten Konzert nach Jahrzehnten.

Emma: nein, das war ok. Wir hatten für alles Ersatz dabei. 

Der Aufbau vor dem Konzert war ganz gemächlich abgelaufen. Als Mikis Verstärker durchknallte, wurde der Roadie hektisch und schaffte nach einer Weile den Ersatz herbei und stellte die Regler so ein wie auf dem anderen. Ein Soundcheck fand damit aber nicht mehr statt. Trotzdem klang das Konzert brillant.

Nach dem Konzert im Oslo seid ihr in die USA geflogen, musstet da aber einige Auftritte absagen, weil die Arbeitsvisa noch nicht erteilt waren. Das muß furchtbar gewesen sein!

Emma: Grausam war das! 
Phil: Schrecklich!
Emma: Wir können leider nicht detailliert davon erzählen, wir waren aber extrem frustriert.

Phil: Die Konzerte, die wir spielen konnten, waren dann aber großartig mit wundervollem Publikum.

Was war der erste Song, den ihr in den Proben wieder gespielt habt?

Phil: De-Luxe. 
Emma: Ja, vielleicht De-Luxe.
Phil: Etwas Einfaches. Oder Sweetness and light?

Emma: Thoughtforms war es, glaube ich.

Phil, Miki und du habt bei dem Oslo-Konzert oft Blicke ausgetauscht...

Phil: ... weil ich einen Song übersprungen hatte.
Emma (lachend): Ich hatte die Setlist falsch gelesen und mit Scarlet angefangen und Justin [Welch - der Drummer] hatte etwas auf seiner Maschine programmiert und gestartet.

Bei den Konzerten im Roundhouse im Mai war von solcher Nervosität nichts mehr zu sehen, obwohl Bühne und Publikum riesig waren.

Emma: Wir hatten in der Zwischenzeit einige Konzerte in Amerika gespielt...
Phil: ... und uns eingespielt.

Wie ist es, wieder als Lush zu spielen?

Emma: Schön! Es fühlt sich toll an. Und Justin ist wirklich brillant!
Phil: Er ist ein phantastischer Drummer!
Emma: Er hat verdammt hart gearbeitet und alle Songs neu lernen müssen.

Phil: Es muß so schwierig für einen Schlagzeuger sein, den Stil eines anderen zu übernehmen.

Ich bin absoluter Laie, hatte aber nach dem Oslo-Konzert festgestellt, daß ich ewig keinen so guten Schlagzeuger mehr gesehen habe. Und er paßt perfekt zu euch.

Emma: Das stimmt!

Justin Welch ist der ehemalige Drummer von Elastica und war Chris Aclands bester Freund.

Ich fahre seit Jahren mit den gleichen Freunden zum Primavera Festival. Auf dem Weg zum Flughafen zurück wetten wir immer, wer im kommenden Jahr wohl auftreten wird. Meine Vorhersagen für 2016 habe ich neulich wiedergefunden. Ich hatte auf Lush und Elastica getippt.

Emma (lachend): Stimmt irgendwie.

Ich war dann aber überrascht, daß ihr nicht mit der großen Bandwelle bestätigt wurdet und stattdessen beim This Is Not A Lovesong Festival in Frankreich spielen solltet. Lush passen so perfekt zu den bisherigen großen Reunions, die beim Primavera stattgefunden haben. Ride, Slowdive...

Phil: ... My Bloody Valentine. Wir wurden so spät bestätigt, weil sie das mit den Bands, die auf der Hidden Stage spielen, immer so handhaben. 

Habt ihr schon mal in Island gespielt?
Lush sind einer der Headliner des Iceland Airwaves im November.

Phil: Nein.
Emma: Ich war schon mal da, habe aber noch nicht in Island gespielt. Auch nicht in... ach, das darf ich noch gar nicht sagen. In Polen aber auch noch nicht.

Phil, wie hast du dein erstes The Jesus And The Mary Chain Konzert erlebt, bei dem du im Publikum warst, nachdem du viele Jahre deren Livebassist warst?

Phil:
Eigentlich war das sogar besser als sonst! Mit Drinks hinten sitzend, dazu klang die Band phantastisch, besser noch als auf der Bühne! Ich habe es sehr genossen. Best of both worlds! Denn hinterher konnte ich noch backstage gehen und den Rider trinken.


Vor drei Jahren hatte ich eine sehr irre Idee und habe dazu ein email an Miki geschrieben, das ich aber nie abgeschickt habe...

Emma, Phil: Woher hattest du ihre Adresse?

Die habe ich auf der Seite des Magazins gefunden, für das sie arbeitet. Ich wollte euch vorschlagen, eine Crowdfunding-Kampagne zu starten, um ein einmaliges Konzert zum 20. Geburtstag von Split [der 1994er Platte] zu veranstalten. Lush (Un)Split. 

Emma: Eine einzelne Show hätten wir nie spielen können, weil es enorm teuer gewesen wäre, wieder zusammen zu kommen. Alleine das Proben und der Kauf all des Equipments hätte ein Vermögen erfordert. Das wäre nicht gegangen. [lacht] Es sei denn, wir hätten vor 50.000 Menschen gespielt. 

So mit einem großen Knall, wie Oasis das irgendwann machen werden.

Emma: Machen sie das?

Bestimmt irgendwann.

Emma (lachend): In [Land, über das wir vorher schon nicht redeten].

Wie sind eure mittel- oder langfristigen Pläne mit Lush?

Emma: Wir lassen das gerade alles auf uns zukommen. Wir würden gerne ein Album aufnehmen, das erfordert aber vieles an Organisation.

Phil: Wir haben alle Familien und Jobs...

Ich war sehr überrascht, daß du unmittelbar nach eurer Rückkehr von der US-Tour gepostet hattest, daß du zurück im Büro bist, Phil. Meiner Vorstellung nach sollten meine Lieblingsbands von ihrer Kunst leben können.

Emma: In einer perfekten Welt ja...

Wie habt ihr de Aufnahme eurer EP [Blind spot - erschienen im April] erlebt?

Emma: Das hat großen Spaß gemacht.
Phil: Wir haben die EP aufgenommen, bevor wir mit den Proben der alten Songs angefangen haben.
Emma: Bei Blind spot haben wir mit Danny [Daniel Hunt] von Ladytron zusammengearbeitet. Du kennst Ladytron?

Ja.


Emma: Daniel hat eine Menge Programmierung und Vorarbeit von seinem Zuhause in Brasilien aus gemacht. Ich habe ihm meine Heim-Demos, die ich mit Garage Band gemacht habe, zugeschickt, die er weiterverarbeitet hat. Bei Jim Abbiss haben wir dann Gitarren, Gesang, Bass zugefügt. Wir haben da nicht wie früher gearbeitet. Computer haben viel verändert.

Phil: Auch beim Aufnehmen von Demos. Das ist eine ganz andere Arbeitsweise heute. Früher hast du etwas auf Band aufgenommen und dann immer wieder neu gemacht. Heute geht vieles einfacher.

Emma: Vielleicht machen wir es beim nächsten Mal etwas anders aber es hat gut funktioniert. 

Was hat sich sonst noch geändert in den letzten zwanzig Jahren?

Phil: Das Internet!
Emma: Die ganze Musikindustrie ist anders als damals.
Phil: Festivals! Es gab damals so wenige. Heute geht es mehr darum, live zu spielen. 

Das müsst ihr machen. 

Phil: Genau. 
Emma: Die Leute kaufen keine Platten mehr.

Nachdem meine andere Lieblingsband Galaxie 500 ihre Quartalsabrechnung der Streamingdienste veröffentlicht hat, streame ich grundsätzlich nichts. 

Phil: Es ist schrecklich, daß die Majorlabel damit zwar viel Geld verdienen, das aber nicht mit ihren Künstlern teilen.

Emma (lachend): Alles wie früher!
Phil (lachend): Ja, eigentlich hat sich also doch nichts geändert!


Gibt es irgendwelche Länder, in denen ihr gerne spielen würdet?

Emma:
Südamerika! Da habe habe ich noch nie gespielt, bin da noch nicht mal gewesen.

Phil: Neuseeland wäre großartig.

Südamerika muß toll für europäische Bands sein, weil die da gefeiert werden. Eine russische Band, die ich sehr mag, ist klein in Russland aber in Peru riesengroß.

Emma: Die heißen Small In Russia?

Nein, Motorama.

Phil: Wo du Peru erwähnst: das ist das Land mit dem euphorischsten Publikum, vor dem ich jemals gespielt habe. 

Was war das mieseste Konzert, das ihr je gespielt habt?

Phil: Wo fangen wir an?

Emma: hmmm.
Phil: Wir haben ein paar Shows in Tel Aviv gespielt. Vor der dritten hat uns der Veranstalter zum Essen ausgeführt. Ich war viel zu betrunken, als wir auf der Bühne standen. 
Emma: Und da war dieses verfluchte Radiokonzert in Amerika. Da haben die Leute Essen und Wasserflaschen auf uns geschmissen. Ich bin von der Bühne gegangen. Miki konnte nicht mal singen, weil ihr Kopf und ihr Mikro klatschnass waren. 
Phil: Und dann gab es das KROQ Weenie Roast [1996].
Emma: Ach komm, darüber lachen wir doch heute.
Phil: Die Fugees waren vor uns dran mit Killing me softly, gerade die Nummer 1 in den USA. Sie hatten entschieden, einen Song mehr zu spielen. Es gab da diese Drehbühnen. Wir kamen nach vorne und keiner der Verstärker funktionierte. 
Emma: Und keines meiner Pedale.
Phil: Wir traten also zu gewaltigen Buh-Rufen auf. Miki brüllte zurück: "give us a fuck!"

Habt ihr Konzertsäle, die ihr gerne spielen würdet?

Emma: Die Albert Hall! Ich weiß nicht, darüber habe ich nie nachgedacht.
Phil: Sydney Opera House!


Habt ihr die Chance, hier noch andere Bands zu sehen?

Phil: Ich möchte mir Cavern Of Anti-Matter ansehen. Und Robert Forster. Mit dem möchte ich über Haarpflege sprechen.


Ich hätte noch Fragen für einige Stunden. Vielen Dank, daß ihr euch die Zeit genommen habt!


Links:
 

- aus unserem Archiv:
-
Lush, Barcelona, 03.06.16
- Lush, London, 07.05.16
- Lush, London, 06.05.16
- Lush, London, 11.04.16




Montag, 6. Mai 2013

Veronica Falls, München, 03.05.13

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Interview: Veronica Falls
Ort: Feierwerk, München
Datum: 03.05.2013
Anwesend: Roxanne Clifford (Gesang, Gitarre), James Hoare (Gesang, Gitarre) und Christoph vom Konzerttagebuch



2010 erschienen die beiden Singles Found love in a graveyard und Beachy Head einer jungen, im Jahr zuvor gegründeten Londoner Band Veronica Falls. Die Kombination aus mehreren Gesangsstimmen, ungemein melodiösen Melodien und düsteren Texten (Beachy Head ist ein Kreidefelsen an der englischen Küste, der als einer der meistgenutzten Selbstmordplätze gilt) versprach viel! 2011 und im Februar 2013 veröffentlichte das Quartett zwei Studioalben, die diese Versprechen locker erfüllten. 

Gute Platten, schön und gut. Unser Qualitätsmaßstab sind Konzerte. 2011 und 2012 konnte ich Veronica Falls im Exit 07 in Luxemburg bzw. auf einer der großen Bühnen des Primavera Festivals in Barcelona sehen - und war begeistert! Um sie bei ihrer Mai-Europa-Tour sehen zu können, musste ich nach München reisen, da Veronica Falls einen Booker mit NRW-Aversion beschäftigen. Obwohl sie bereits mehrfach in Hamburg oder Berlin gespielt haben, sind sie durch den Westen nur regelmäßig durchgereist. Meine erste Frage auf den Weg in ihren Backstagebereich, nachdem ich die beiden Sänger Roxanne und James nach dem Soundcheck getroffen hatte, war dann auch der Grund für die großen Bögen  um Köln.

Roxanne Clifford: kommst du aus München?

Ich wohne in der Nähe von Köln. Da habt ihr aber leider bisher nicht gespielt!

James Hoare: wirklich nicht? Ich erinnere mich nicht genau.

Nein, bisher nicht. Ihr solltet gemeinsam mit den Dum Dum Girls spielen, das wurde aber abgesagt. Gibt es einen Grund, warum ihr noch nicht in Köln gespielt habt?

James: mir ist keiner bekannt.

Im Backstage-Raum im ersten Stock eines der Feierwerk-Bauten war der Tisch fürs Essen der Bands hergerichtet. Mazes, der Support aus Manchester, machte gerade Soundcheck, danach sollte gegessen werden.

Ich habe euch bisher zweimal gesehen, in Luxemburg und beim Primavera Festival in Barcelona im vergangenen Mai...

Roxanne: wir hören von vielen Leuten, daß sie uns beim Primavera gesehen haben. Wir haben gar nicht gewußt, wie viele Leute bei unserem Auftritt da gewesen sind!
James: man merkt, daß das Festival von Leuten organisiert wird, die Platten mögen, also von Musikfans und nicht von Geschäftsleuten, die damit Geld machen wollen.

Auch dieses Jahr ist das Lineup wieder wahnsinnig toll!

James: Oh, ja!

Ich war sehr glücklich, als ich gesehen habe, daß ihr auch wieder spielen werdet.

Roxanne: wir spielen am Eröffnungstag bei dieser Warmup-Party.
James: es ist schade, daß wir nicht beim Festival selbst auftreten können.
Roxanne: ich glaube, es ist extrem selten, daß Bands da zweimal nacheinander spielen. Außer Shellac vielleicht, die scheinen jedes Mal aufzutreten.

Wir hatten schon über Köln gesprochen. Ich bin sehr sicher, daß da sehr viele gerne eines eurer Konzerte sehen würden. Nach Hamburg und Berlin ist Köln sicher einer der besten Orte für Indiemusik in Deutschland.

James: wenn es da eine große Indieszene gibt, ist das verrückt, daß wir nie da waren.
Roxanne: vielleicht gab es Terminprobleme?
James: Vielleicht. Deutschland ist aber allgemein mein Lieblingsplatz für Konzerte in Europa [wenn britische Bands von Europa sprechen, meinen sie das Festland].

Spielt ihr denn auch Festivals in Deutschland? Bislang wart ihr bei keinem, glaube ich.

Roxanne: ich denke nicht.
James: wir waren hier im Feierwerk bei etwas ähnlichem wie einem Festival. Wir haben das Queer Beats hier in München gespielt, das ist allerdings keine dieser großen Outdoor-Veranstaltungen.

Es gibt wirklich einige sehr schöne Indie-Festivals in Deutschland...

Roxanne: mich überrascht, daß uns noch niemand gefragt hat. Wir scheinen ganz erfolgreich in Deutschland - im Vergleich zum Rest Europas - zu sein. Vielleicht werden wir ja irgendwann mal angesprochen.

James: jetzt ist es dafür natürlich viel zu spät, alles ist gebucht.

Was spielt ihr lieber, Festivals oder Clubshows?

Roxanne: ich glaube, ich ziehe Clubshows vor, natürlich gibt es aber
Ausnahmen, wie das Primavera. Es gibt schon einige tolle Festivals, aber man hat da kaum Zeit für den Sound, fühlt sich verloren auf diesen riesigen Bühnen, im Gegensatz zu der intimen Nähe zum Publikum in einem Musikclub.
James: wegen des Sounds wird niemand gerne Festivals spielen, es sei denn, man ist ein Dance-Act. Auf der anderen Seite können Festivals natürlich diese besondere Atmosphäre haben. Man sitzt draußen, hört Bands zu, das kann schon viel Spaß machen.
Roxanne: wenn du eine Band wie die Flaming Lips bist, mit riesigen Bühnenshows und Tausenden Zuschauern, wird jeder Festivalauftritt für dich großartig sein. Aber wir sind so klein und haben keine Bühnenshow.

Was gut ist!

Roxanne: Ja, schon. So kann aber ein Festivalauftritt schon schwierig sein.

Ich mochte euer Primavera-Konzert sehr. Nach dem Abend in Luxemburg ein paar Monate vorher, hatte ich mich gefragt, ob ihr auch auf einer großen Bühne funktionieren würdet - und dann war es sehr toll! Der Sound war hervorragend, mich hat aber vor allem beeindruckt, daß ihr vor einem so einschüchternd großen Publikum so souverän aufspielt und auch unveröffentlichte Lieder spielt.

Roxanne: Danke! Wir waren sehr erstaunt, daß wir danach viel positives Feedback bekommen haben. Es hätte ein Desaster werden können - und dann vor so vielen Zuschauern [lacht],

War das eure größte Show bisher?

Roxanne: wahrscheinlich schon.
James: das war ganz sicher die größte. Wir haben zwar bei ein paar Festivals in Zelten gespielt, die eine ganz gute Kapazität haben, in Reading zum Beispiel. Aber das Primavera war größer.
Roxanne: ich habe keine Vorstellung, wie viele Leute uns in Barcelona gesehen haben aber es sah nach vielen aus! Der Platz [vor der - anders als der Name vermuten läßt - sehr großen Mini-Bühne] sah voll aus!
James: von vorne bis hinten

Ich kann so etwas nicht schätzen, das waren aber schon einige Tausend Zuschauer.

Roxanne: es sah voll aus, wirkte auf uns aber trotzdem intim, weil die Leute toll mitgegangen sind. Das ganze war dann weit weniger einschüchternd.

Und dazu das Meer neben euch, das hat sehr viel Spaß gemacht. Spielt ihr im Sommer Festivals in England?

Roxanne: ja, machen wir
James: wir sind beim Green Man, kennst du das?

Das ist in Wales, oder? Ich war noch nicht da.

James: ja, und es ist recht bekannt. Dann spielen wir beim Latitude, oder?
Roxanne: genau!
James: ich glaube, das ist recht groß und irgendwo außerhalb Londons, in Kent, glaube ich.

Ich war da vor ein paar Jahren mal.

James: und, ist das im Umland von London?

Mitten im Wald zwischen Ipswich und Norwich.

James: Ipswich ist ja fast noch am Rande Londons.

Ich mochte das sehr. Vor allem war toll, daß die Bands, die auf einer Bühne mitten im Wald gespielt haben, mit Kähnen vom Backstage-Bereich zur Bühne gerudert wurden.

Roxanne [lacht]: oh je!
James: wir sollten beim Hop Farm Festival auftreten, haben aber heute ein E-Mail bekommen, daß das ganze Festival abgesagt wurde.
Roxanne: es gibt einfach zu viele mittlerweile

Letztes Jahr wart ihr beim Indietracks. Wie ist das?

Roxanne [lacht]: wir waren Headliner! 

Cool! Ich war noch nie da, spiele aber schon seit Jahren mit dem Gedanken und fahre diesmal hin.

Roxanne: wir haben einmal als Opener gespielt und sind dann zum Headliner aufgestiegen. Das ist ein gutes Festival, denke ich. Vielleicht ein wenig eindimensional. Da ist alles superindie!
James: es kann ein wenig zu superindie sein, wenn du das ganze Wochenende da bist. Bist du die ganze Zeit da?

Ja!

James: du wirst trotzdem natürlich sehr viel Spaß haben.
Roxanne: es ist keines von diesen verrückten Partyfestivals
James: auf dem Zeltplatz machen die Leute schon Party am Lagerfeuer
Roxanne [lacht]: und stricken Cardigans!
James: harmloser Spaß!
Roxanne: und alles wirkt sehr gesund!

Wie läuft die aktuelle Tour?

Roxanne: wir sind erst eine Woche unterwegs, zwei kommen noch. Es hat gut begonnen, das waren ein paar gute Shows, eine sehr volle in Paris, was toll war! Wenn du erst mal auf Tour bist, verschwimmt alles ein wenig. Es läuft gut, wir hatten einige gute Crowds, die Shows haben Spaß gemacht. Gestern in Wien war es auch toll!

Ich rede zwar lieber über Konzerte als über Platten, mir geistert aber seit einiger Zeit eine Frage durch den Kopf. Euer zweites Album ist in recht kurzer Zeit entstanden. Ihr hattet nach der ersten Tour enorm viele Shows, auch in den USA, und habt, so habe ich gelesen, während der Tourneen nicht an neuem Material arbeiten können. Sind die Stücke von Waiting for something to happen neu oder basieren sie zum Teil auf alten Ideen?

Roxanne: es ist gemischt. An ein paar haben wir schon eine Weile gearbeitet.
James: der Großteil stammt nicht aus der Phase des ersten Albums. Als wir das aufgenommen haben, hatten wir noch keine der Ideen für die neuen Songs, vielleicht für einen oder zwei.
Roxanne: die wir dann auch live gespielt haben [Buried alive z.B.]
James: ja, ein oder zwei. Der Rest ist Veröffentlichung von Veronica Falls bzw. nach dem Touren entstanden.
Roxanne: wir haben das erste Album ja zweimal aufgenommen, weil wir mit der ersten Produktion nicht glücklich waren. Darüber verging einige Zeit, in der Buried alive zum Beispiel entstanden ist.

Ich frage deshalb, weil ich bei vielen Bands das ideenlose zweite Album damit erkläre, daß die Songs des Debüts über viele Jahre gereift sind und dann schnell eine neue Platte nachgeschoben werden muß.

James: und die ist dann nicht gut! Das ist ein klassischer Fall. Ich würde wirklich nicht behaupten, daß wir eine richtig gute Band sind. In der Mitte der 90er Jahre gab es Bands wie Elastica oder Supergrass, die ihre besten Songs mit 15 geschrieben haben und wirklich gute Bands wie Blur, die von Album zu Album besser wurden. Wenn du deine Teenage-Jahre für die erste Platte hast und dann sechs Monate für den Nachfolger, zeigt sich, ob du eine wirklich gute oder eine mittelmäßige Band bist. 

Ich mag euer zweites Album keinen Deut weniger als das erste, ihr seid also eine wirklich gute Gruppe.

Roxanne [lacht]: danke!

Zu euren Platten interessiert mich noch etwas sehr, daß ihr sicher schon
oft gefragt wurdet und das sicher nervt. Ihr habt zu beiden Alben eine Cover EP veröffentlicht, auf der ihr fünf oder sechs Lieder anderen Künstler aufgenommen habt. Ich finde es sehr unhöflich, Bands für ihre Cover zu loben bzw. sie darauf anzusprechen, muß es aber trotzdem. Nach welchen Kriterien sucht ihr Lieder aus, die ihr covert? Sind das Lieder, die euch viel bedeuten? Auf der ersten EP ist Under my thumb von den Stones. Ich mag die Rolling Stones überhaupt nicht, ich mag nur ein Lied, Under my thumb. Eines meiner Lieblingslieder!

Roxanne: bei mir auch! Also ich mag auch die Stones, aber das Stück steht über allen anderen! Es ist ein fabelhafter Song!

Als Kind mochte ich die Eurythmics sehr. Mein absoluter Liebling von denen war Thorn in my side.


Roxanne: wow! Dann ist unsere EP eine gute Platte für dich! Zwei deiner Lieblingslieder!
Es müssen nicht unbedingt Songs sein, die wir lieben, wir müssen sie schon mögen, klar! Und wir müssen sicher sein, eine gute Version hinzubekommen.
James: sie müssen für uns coverbar sein.
Roxanne: wir haben auch schon Songs ausprobiert, die nicht geklappt haben. Trial & error, manche funktionieren, andere nicht. Manche hören sich zwar gut an, es fehlt ihnen aber das besondere Element. Mir macht es auch Freude, ein paar unbekannten, zum Teil obskuren Liedern auf diesem Wege ein neues Publikum zu verschaffen.

Spielt ihr einige davon live?

Roxanne: Starry eyes spielen wir regelmäßig.
James: das ist aber nicht auf den EPs, es war die B-Seite unserer ersten Single.

Ich habe das schon live gesehen, auch beim Primavera.

James: mir ist wichtig, Cover ins Set aufzunehmen, weil ich es sehr mag, wenn Bands in Konzerten Coversongs spielen, ein oder zwei. Ich hätte auch kein Problem, eine Band anzugucken, die mehr spielt. Yo La Tengo spielen mal ein halben Dutzend, und niemandem fällt es auf!
Roxanne: ein paar der Lieder der ersten EP haben wir auf Festivals gespielt, auch das Eurythmics-Stück, die von der zweiten aber noch nicht.
James: dabei würden die besser passen, weil die mehr upbeat sind.
Roxanne: Thorn in my side eignet sich toll, live gespielt zu werden, das sollten wir wieder machen. Der Song baut viel Atmosphäre auf. Wir könnten das heute probieren [lacht].

Ach, ich werde euch noch öfter sehen, vielleicht erlebe ich es da mal.
Habt ihr Lieblings-Auftrittsorte oder Lieblingsfestivals?

James: in Deutschland?

Egal!
 

James: ich liebe das Molotow in Hamburg.

Da war ich noch nie.

James: ich würde schon sagen, daß das einer meiner absoluten Favoriten ist!
Roxanne: das Molotow hat eine gute Größe, eine tolle Atmosphäre...
James: ein kleiner Club mit kleiner Bühne und einer lauten Anlage! Solche Läden haben Charakter!

Gibt es Clubs, in denen ihr gerne einmal spielen würdet?

James: in denen, in denen wir unbedingt auftreten wollten, haben wir schon gespielt.
Roxanne: wir haben wirklich schon in einigen schönen Läden gespielt, im Bowery Ballroom in New York zum Beispiel, in der Old Assembly Hall in Hackney. Wenn wir die Wahl haben, versuchen wir schon, die interessantesten Clubs auszuwählen. Mir fällt nichts ein, wo ich gerne spielte.
James: einer der schönsten Säle, in denen wir bisher waren, ist ziemlich unbekannt, weil da nicht oft Veranstaltungen stattfinden. Das ist ein Theater in Madrid, ein wunderschöner Raum, ein Bau aus der Mitte des 18. Jahrhunderts vielleicht.
Roxanne: mit drei Ebenen
James: das Theater war nicht groß, es wirkte wie ein Modell eines großen Theaters.

Gibt es Unterschiede zwischen dem Publikum in verschiedeen Ländern?

Roxanne: du meinst, ob sich die Leute unterschiedlich verhalten? Ehrlich gesagt glaube ich, daß sich das von Stadt zu Stadt unterscheidet.
James: in England ist die Stimmung grundsätzlich zurückhaltender als sonstwo. In Europa wollen dich die Zuschauer unbedingt zurückklatschen. In Wien haben wir gestern eine doppelte Zugabe spielen müssen und da waren vielleicht 150 Leute!
James: das würde in England niemals passieren. Das englische Publikum ist nicht schlecht, es ist nur sehr viel zurückhaltender.
Roxanne: In London klatschen die Leute auch, aber sie schreien nicht. Um richtig enthusiastisch zu sein, sind sie viel zu cool.
James: das ist eben typisch britisch.

Ich höre oft, daß es in Berlin ähnlich ist. Das ist scheinbar das deutsche London...

Roxanne: das haben wir wirklich auch schon bemerkt. Hamburg dagegen ist immer ein großer Spaß mit verrückten Leuten! Ich erinnere mich noch an das letzte Berlin-Konzert, das war ausverkauft und alle standen nur ruhig rum.
James: zu cool für Popmusik!

Hamburg ist sicher die deutsche Indiestadt Nummer eins.

James: ich mag Hamburg sehr!

Und Köln ist Indiestadt Nummer zwei! Danke, daß ihr euch die Zeit genommen habt!




Sonntag, 22. April 2012

Warpaint, Haldern, 13.08.11

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Interview: Warpaint
Ort: Haldern Pop Festival
Datum: 13.08.2011
Anwesend: Stella Mozgawa (Schlagzeug) und Christoph und Oliver vom Konzerttagebuch


Puh, das war eine schwere Geburt. Im zweiten Anlauf hatte es mit einem Interview mit Warpaint funktioniert. Spätestens seit ich die Amerikanerinnen in Brüssel als Vorgruppe 2 1/2 Lieder lang gesehen hatte, bin ich ihrer Musik hoffnungslos verfallen. Höchste Zeit, ihnen das einmal persönlich mitzuteilen.

Das Interview in Haldern gestaltete sich komplizierter als gedacht. Der Termin war für 17 Uhr bestätigt und ich am verabredeten Ort - die Band allerdings nicht. Meine Versuche, die Tourmanagerin zu erreichen, scheiterten an der Mailbox. Irgendwann kam eine sms der Tourmanagerin, daß sie gerade erst gelandet seien und keine Interviewtermine eingeplant hätten, sie werde aber etwas organisieren. Und das funktionierte dann auch. Um neun trafen wir Stella Mozgawa, die Schlagzeugerin der Band, die trotz des kurzfristigenTermins so kurz vor dem Auftritt (um 22.10 Uhr gingen Warpaint dann im brechend vollen Zelt auf die Bühne) erstaunlich entspannt wirkte - ein wenig kalifornische Sonne im Dauerregen von Haldern.

Ich sprach Stella zunächst auf mein letztes Warpaint-Konzert in der Kölner KulturKirche an.

Stella Mozgawa: Wir hatten an dem Tag so viel Spaß! Wir waren in einem Day Spa.

Wie fandet ihr die Kirche als Auftrittsort? Hat euch das gefallen?

Ja, sehr! Es war anders, einzigartig. Als Band spielst du nicht oft außerhalb eines normalen Venues. Das fühlt sich vollkommen anders an und ist sehr cool.

Habt ihr an ähnlichen Orten gespielt?

Ja, in diesem Fort Canning Park in Singapur, während des Laneway Festivals, das in Australien, Neuseeland und Singapur stattfindet. Wir haben da vor einem riesigen parlamentsähnlichen Gebäude gespielt.
Ansonsten sind wir in vielen Pubs aufgetreten, die aus verschiedenen Gründen ungewöhnlich waren. Aber es war definitiv das erste Mal, daß wir in einer Kirche gespielt haben, und es war wundervoll!

Wie gefiel euch das Primavera Festival in Barcelona? Die Szenerie war toll...

Wir hatten so viel Spaß! Ein großartiges Festival!

Ihr habt früh gespielt. Aber es waren so viele Menschen da und die waren restlos begeistert!

Oh, ich erinnere mich sehr gerne an diesen Auftritt, das war toll!

Für mich war das das beste Konzert auf dem Primavera Festival.

Ernsthaft? Wie fandest du denn PJ Harvey?

Die habe ich verpasst.

Sie war wirklich gut.

Mir ist in Köln aufgefallen, daß ihr eure Songs jetzt anders spielt, abgewandelte Versionen, die Lieder länger sind und oft andere Elemente haben. Ist das neu?

Wir haben immer schon den Wunsch, das live zu tun. Es hängt natürlich von den Umständen ab. Köln war unsere eigene Show, da hatten wir mehr Zeit, können unsere Flügel etwas mehr austrecken. Wenn uns danach ist und wir die Möglichkeit haben, machen wir das sehr gerne. Es gehört zu unserer Bandpolitik, auf der Bühne zu experimentieren, sodaß es sich nicht so anfühlt, als passierten immer wieder die gleichen Dinge - weder für uns noch für die Leute, die uns eventuell zwei- oder dreimal sehen. Damit die nicht sagen können, wir wissen, was jetzt passiert, wie die Setlist aussehen wird, welcher Song jetzt kommt. Das ist uns wichtig, und es ist auch gut für uns. Auf Tour haben wir nicht unbedingt die Gelegenheit, viel zu schreiben, also nutzen wir die Bühne auch, uns gegenseitig musikalisch auszutauschen, auf diese spontane, fast improvisierte Weise.

Diese längeren Liveversionen haben einen schönen Nebeneffekt. Als ich euch 2011 in Frankfurt gesehen habe, habt ihr für eine junge Band - ihr seid zwar keine Newcomer, hattet da aber gerade erst das Debütalbum veröffentlicht - erstaunlich lange gespielt. Normalerweise dauern Konzerte einer Band auf der ersten Tour in Deutschland 40 Minuten, bei euch mehr als eine Stunde!

Wir mögen es, es in die Länge zu ziehen.

Aber das ist eben außergewöhnlich.

Wenn uns nicht danach ist, spielen wir auch nicht so lange. Aber wenn wir Lust haben, und es unsere eigene Show ist, kann uns auch niemand hindern, lange zu spielen. Und wir haben schließlich eine Menge Songs, das Album, die EP, einige neue Stücke, dann gibt es von allen Liedern diese langen Versionen, über die wir gesprochen haben. Eine Stunde ist für uns einfach zu füllen. Bei Festivals ist das natürlich anders. Da haben wir weniger Zeit. Heute spielen wir 45 Minuten.

Mein Liebling ist zur Zeit Billie Holiday. Spielt ihr das noch?

Ja, immer mal wieder. Es ist Teil unseres Sets, allerdings kein fester, es gehört also nicht zu den Stücken, die wir unbedingt spielen, wie die Lieder, die die Leute zum Beispiel bei Festivals erwarten. Billie Holiday ist nicht das richtige Stück für Festivals, weil es sehr ruhig ist. Wir können es live nicht wie auf Platte spielen, weil wir da kein Mellotron haben; nur Gesang, Gitarre und Drums, sonst nichts. Es muß schon die richtige Gelegenheit dafür sein, solch einen reduzierten Song zu performen.


Ich habe es glücklicherweise schon ein paarmal live gesehen.
Als ihr für Haldern bestätigt wurdet, wurde das im Forum des Festivals extrem positiv aufgenommen. Ich hatte das Gefühl, daß alle extrem hinterher waren, euch zu sehen. Dann wurdet ihr aber im Zelt und nicht auf der Hauptbühne angesetzt. Kennst du den Grund dafür?

Nein, den kenne ich nicht. Das ist eine Entscheidung der Festivalmacher. Wir stellen keine Ansprüche daran, wo genau wir spielen, wir sind glücklich, überhaupt gebucht zu werden. Wir sind ja nicht U2 oder so, und wir sind nicht in der Position zu bestimmen, wann und wo wir spielen. Es ist eine Lotterie.Wir sind glücklich über die Auftrittszeit, so etwas erfahren wir aber erst kurz vorher, auch die Zuschauerzahl eines Konzerts übrigens. Gestern haben wir in Helsinki in einem großen Zelt gespielt, das wussten wir vorher auch nicht. Heute hatten wir keine Ahnung, das wir in solch einem Holzzelt spielen.

Das fasst leider nur 800 Zuschauer.

Oh, dann wird es eng. Wir hätten natürlich liebend gerne auf der Hauptbühne gespielt aber es war definitiv nicht unser Wunsch, nicht da aufzutreten, ich hätte das gerne gemacht. Aber ein intimerer Rahmen ist auch schön. Drinnen haben wir auf Festivals noch nie gespielt, in großen Zelten schon, aber nicht in dieser Art, die innen an einen Club erinnert, das wird interessant.

Wo wart ihr in Glastonbury angesetzt?

Wir haben auf der John Peel Stage und der Parkstage gespielt, auf der normalerweise auch ein geheimer special act auftritt. An den zwei Tagen, die wir in Glasto verbracht haben, waren Pulp und Radiohead die Geheimgäste. Für Radiohead war es die einzige Show in Glasto, und wir sind am gleichen Tag auf der gleichen Bühne aufgetreten, das war sehr aufregend!

Stellt ihr Unterschiede zwischen amerikanischen und europäischen Festivals fest?

Ja! Selbst bei den amerikanischen Dreitagesfestivals wie Coachella gibt es kein Camping. Camping ist ein australisches und europäisches Ding! Das Publikum unterscheidet sich weniger von Land zu Land als eher zwischen kleinen und großen Veranstaltungen. Das hier ist natürlich ganz anders als Glastonbury, wobei das Wetter ähnlich ist! Ich hätte besser meine richtigen Stiefel mitgenommen.
Es gibt wohl keine kulturellen Unterschiede beim Publikum, die würden wir aber auch nicht richtig bemerken, da wir leider nie lange bleiben.

Du hast Radiohead erwähnt. Was hört ihr im Tourbus?

Ach, das ist komplett unterschiedlich, da gibt es keine feste Linie. Wir hören elektronische Musik, aber auch mal Hiphop. Alte Sachen, neue Bands.

Neue Bands werden oft durch Referenzgruppen beschrieben. Bei Warpaint habe ich damit große Probleme.

Das ist gut!

Absolut!

Das ist interessant, weil wir definitiv nicht versuchen, irgendeinem Stil zu entsprechen. Es ist Sache der anderen, zu entscheiden, an was wir sie erinnern. Viele Leute sind glücklich über solche Vergleiche. Dieser Song oder diese Stimmung oder ihr Aussehen gleicht dieser anderen Band, die ich so mag... Wir möchten nicht bewußt wie niemand anderes klingen. Wir möchten einfach wie wir klingen. Das ist kein Snobismus.

Habt ihr die Chance, andere Bands bei Festivals zu sehen?

Hängt natürlich davon ab, wie lange wir da sind. Wir sind ja eben erst angekommen. Ich weiß nicht, wie lange es heute geht, nicht so lange, glaube ich. Also werden wir nichts sehen können. Beim Primavera und in Glasto hatten wir zwei oder drei Tage, um uns umzusehen. Wenn wir die Chance haben, natürlich! Ist doch langweilig, nur im Raum zu sitzen und zu trinken.

Erinnerst du dich an ein besonders gutes Konzert, das du in letzter Zeit gesehen hast?

James Blake!

Der hat heute gespielt.

Ich weiß, wir haben ihn aber wegen der späten Anreise verpasst. Er ist ein Freund von uns und einer der beeindruckendsten Künstler, den es gerade gibt, live und auf Platte, sehr faszinierend!
Was noch... Wir haben viel Kanye gesehen. Immer wenn der auf einen Festival auftritt, stelle ich sicher, daß ich ihn nicht verpasse. Das ist immer aufregend, ich liebe ihn! Er ist verrückt - nicht auf die Art wie Karen O, oder so. Fuck, er hat einfach so viele Hits, irre! Und er ist immer exzentrisch, redet viel, es ist immer faszinierend!

Ich habe Kanye noch nie gesehen.

Mußt du unbedingt, wenn du die Chance hast!

Ihr habt auch beim Hurricane und Southside Festival gespielt. Wie war das?

Oh, wir hatten sehr viel Spaß und haben neue Freunde gefunden! Wir haben am gleichen Tag wie Bright Eyes gespielt, sie gesehen und uns mit ihnen angefreundet. Die sind so liebenswert und interessant!

In Deutschland sind Bright Eyes sehr groß.

Dann haben wir die Foo Fighters gesehen. Wen noch...? Ich kann mich nicht erinnern. Das war so viel Spaß! Und so viel Matsch!

Wir haben einen miesen Sommer.
Letzte Band heute abend sind Explosions In The Sky...

Die haben wir in Dublin gesehen!

Sie waren auch in Barcelona beim Primavera.

Die sind sehr cool. In Deutschland sind Explosions In The Sky recht beliebt? Generell in Europa?

Ja, sind sie.
Nach eurem Konzert in der KulturKirche in Köln hat jemand gesagt, daß die letzten zehn Minuten mehr Postrock waren als Explosions In The Sky und Mogwai zusammen.

Das ist verrückt!
Wie cool! Ich weiß gar nicht mehr, was wir da gemacht haben, wir haben nur gejammt.

Das war Beetles mit dem irre langen Ende.

Ja, das Ende von Beetles...

Zehn Minuten, toll!

Yeah, das war fucking lang [kichert]. Wenn du uns gleich siehst, wirst du merken, daß das, was wir da am Ende von Beetles gemacht haben, jetzt bei Elephants passiert.

Oliver: wann kommt ihr mal wieder nach Paris? Ich habe euch in der Cigale gesehen. Ihr habt aber auch im Bataclan gespielt.

Bataclan war ein großer Spaß! Der Club ist fabelhaft! Das war unsere erste Headlineshow in Paris.

Wie gefällt dir das Botanique in Brüssel?

Sehr gut! Am Abend vor unserem Konzert haben wir Holy Fuck und Jamie Lidell gesehen. Ich bin ein bißchen zu betrunken gewesen. Wir haben da auf einem der Plätze in der Stadt gesessen und hatten zu viele Chimays. Das ist offensichtlich kein normales Bier, wenn du davon drei oder vier trinkst, bist du sturzbetrunken! Wir sind dann in die botanischen Gärten eingebrochen. Das Botanique war geöffnet, die Gärten nicht. Wir sind da in die Büsche gesprungen, und ich habe mir dabei schrecklich weh getan - aber es war so ein großer Spaß!
Alle die Orte, die du erwähnt hast, waren meine Lieblingsshows, fällt mir gerade auf! Du hast alle guten genannt!

Ich kann mir auch keine schlechten vorstellen.

Glaub' mir, wir hatten viele!

Ihr müßt gleich auf die Bühne, vielen Dank, daß du dir so kurz vorher noch Zeit genommen hast!

Tschüß!





Sonntag, 10. April 2011

Zoey Van Goey, Köln, 08.04.11

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Interview: Zoey Van Goey
Ort: eine Bierbankgarnitur hinter dem E-Werk in Köln
Datum: 08.04.2011
Anwesend: Kim Moore (Keyboard), Matt Brennan (Schlagzeug), Michael John McCarthy (Gitarre), Adam Scott (Bass) und Claudia und Christoph vom Konzerttagebuch


Im Dezember waren wir gemeinsam beim fabelhaften Bowlie 2 Weekender in Butlins Minehead in Südengland. Ausgerichtet wurde das Jubiläumsfestival der All Tomorrow's Parties von Belle & Sebastian. Als letzte Band spielte an diesem grandiosen Wochenende Zoey Van Goey aus Glasgow. Die wundervolle Gruppe begeisterte uns mit ihrem herrlichem Indiepop restlos! Auf der Rückfahrt nach London waren wir uns sicher, daß Zoey Van Goey einer der Höhepunkte des Wochenendes waren und daß sie die perfekte Wahl als Support von Belle & Sebastian auf deren Deutschlandtour im April 2011 sein würden. Und siehe da, genauso kam es. Zumindest für Köln wurden die Zoeys als "Special Guest" verpflichtet.

Wir hatten uns für vier Uhr mit der Band vor dem E-Werk verabredet. Kurz nach vier kamen die vier Musiker zu Fuß am E-Werk an. "Entschuldigt die Verspätung, wir haben uns die Stadt angesehen, vor allem den grandiosen Dom!"

Weil es im E-Werk zu laut war - Belle & Sebastian machten gerade Soundcheck - setzten wir uns hinter dem Gebäude auf eine Bierzeltgarnitur.

Matt: hat jemand ein Wasser?
Michael: nein, ich habe nichts mitgebracht.

Wir haben aber etwas anderes mitgebracht. Ich habe im Internet gelesen, daß ihr Musik und Kuchen mögt, stimmt das?

[die Band bricht in Lachen aus. Als wir den mitgebrachten Käsekuchen auspacken, wird aus dem Lachen Jubel. Bassist Adam springt auf, als habe Schottland gerade die WM Qualifikation geschafft]

Michael: großartig!
Kim: das ist nicht wahr!
Matt: das ist das coolste Interview aller Zeiten!

Die Idee dahinter ist, daß wir euch häufiger in Köln sehen möchten...

Michael: Das macht ihr gut!

[Während wir also mit Zoey Van Goey im strahlenden Sonnenschein Kuchen essen, klären wir erst einmal eine Sache, die wir im Internet nicht finden konnten, die Herkunft des vierten Bandmitglieds Adam. Obwohl Zoey Van Goey aus Glasgow stammen, sind keine Schotten in der Band. Matt kommt aus Kanada, Michael aus Irland und Kim aus England]

Kommst Du aus Schottland, Adam?

Adam: ich bin in England geboren aber in Schottland aufgewachsen. Ich halte mich für einen Schotten, aber nicht so richtig
Michael: sind deine Eltern Schotten?
Adam: nein, Engländer

Wir haben euch beim Bowlie gesehen. Wie gefiel euch das Festival?

Matt: sehr gut!
Michael: großartig! Die Atmosphäre war so toll, alles vollkommen entspannt. Aber das Lineup war natürlich auch spektakulär. So viele ungewöhnliche Bands, so ein guter Mix! Für mich war zum Beispiel toll, Mulatu Astatke, den äthiopischen Jazzmusiker zu sehen...
Kim: großartig!
Michael: ...ihn an dem einen Abend und dann die Zombies am anderen Tag - auf der gleichen Bühne - auf der dann auch noch Franz Ferdinand gespielt haben. Eine tolle Mischung!
Matt: sehr cool! Und die Wasserrutschen waren klasse!
Adam: oh, wir haben die Wasserrutschen genossen! Erinnert ihr euch?

Ich wusste gar nicht, daß dieser Wasserpark geöffnet hatte...

Matt: der war super!

Wir haben leider nur Konzerte gesehen!

Matt: und wir waren schwimmen!
Michael: was waren denn eure Favoriten beim Bowlie?

Neben euch? Die größte Überraschung war für mich Edwyn Collins...

Kim: allerdings!

Claudia: ich kannte nur A girl like you. Hinterher kamen wir da raus und waren vollkommen begeistert. Und Edwyn ist solch ein sympathischer Mensch!

Michael: eine sehr starke Persönlichkeit, nach all dem, was er durchgemacht hat
Kim: und er ist ein toller Poet

Die Amphetameanies mochte ich sehr

Michael: Ja! Die habe ich leider verpasst
Matt: Ich habe sie auch verpasst, habe sie aber in Glasgow ein paarmal gesehen, eine tolle Band! Deren Sängerin spielt auch in einer Blondie Tribute Band namens Bleachie
Kim: großartig!

Die Amphetameanies haben in diesem komischen Reds gespielt. Wir sind zwischendurch mal an die Bar gegangen, um etwas zu essen. Da sagte die Band gerade an, daß ein zusätzlicher Gitarrist dazu käme. 'Na gut, kommt eben noch jemand.' Als dann als nächstes "This boy" von Franz Ferdinand gespielt wurde, haben wir kapiert, daß der Gitarrist Alex Kapranos war

Matt: er war ja mal reguläres Mitglied bei denen
Michael: an Alex kam man an dem Wochenende eh nicht vorbei!
Kim: der war einfach überall

Stimmt! Wir hatten fest damit gerechnet, daß er auch an der Bar Getränke verkauft... Was waren eure Highlights beim Bowlie?

Michael: Edwyn war herausragend
Kim: Mulatu...
Michael: genau! Und ich mochte die Zombies (lacht)
Adam: die haben uns allen gefallen! Wir waren gerade vorher angekommen
Matt: die Zombies waren unser Eindruck vom Festival, das war schon cool! Aber Franz Ferdinand waren auch fabelhaft!
Kim: die hatte ich vorher noch nicht gesehen

Und ich hatte sie einmal zu oft gesehen. Zumindest hatte ich eigentlich keine Lust, sie mir beim Bowlie anzusehen, wir waren dann aber trotzdem drin...
Claudia: der richtige Ort, die richtige Zeit
Sie waren toll! Was waren die besten Konzerte, die ihr außerhalb des Bowlies gesehen habt?

Kim: Yo La Tengo im vergangenen Jahr!
Michael: Oh ja! Yo La Tengo!
Matt: Wir sind große Yo La Tengo Fans - auch von Wilco! Wilco habe ich 2010 gesehen, das war irre! Das sind zwei der besten Livebands, denke ich.

Kennt ihr das Seitenprojekt von Yo La Tengo, mit dem sie Surferrock spielen? Mir fällt der Name nicht ein...

Michael: sind das die Condo Fucks?

Genau! Die habe ich bei einem Festival gesehen, das war sehr komisch, weil da Yo La Tengo vollkommen andere Musik gespielt haben und das Publikum dachte, daß das die normale Musik dieser Surferband wäre. Ich hätte mir das niemals angesehen, wenn mir nicht ein Freund erzählt hätte, wer die Condo Fucks sind...

Michael: skurril! Auf der aktuellen Tour, auf der sie auch nach Schottland kommen, drehen Yo La Tengo am Anfang des Abends an einem Glücksrad. Das was da rauskommt, diktiert, wie die erste Hälfte des Sets aussehen wird. Da gibt es dann Sachen wie "spielt nur Lieder, die mit S anfangen" oder "spielt nur Condo Fucks Songs" oder "spielt eine Folge Seinfeld nach", das machen sie dann wirklich. In den USA hat das Publikum sie ausgebuht, als Seinfeld gewählt wurde und Yo La Tengo wirklich eine Folge Seinfeld nachgespielt haben. Ich liebe die Idee!
Kim: man merkt, daß sie Spaß an dem haben, was sie machen
Michael: so etwas sollten wir auch machen

Claudia: dann stellt doch heute ein Glücksrad auf!

Kim: genau! Wir machen ein Käsekuchenrad...
Adam: yeah!
Kim: .. und da muß man sich durchessen, um die Kategorie zu sehen
Michael: wie bei den Flaming Lips! Habt ihr vom kommenden Album von denen gehört?

Nein!

Michael: das wird auf einem USB Stick erscheinen, der in einem Schädel stecken, einem Schädel aus Gummibärchenmaterial. Du mußt also erst den Schädel essen, dann ein Gummihirn, das da drin ist, um an die Musik zu kommen.
Matt: kaufst du die?
Michael: nein! Obwohl die Musik natürlich sicher fabelhaft ist!
Adam: das wird wohl ein Jam Album...
Matt: beurteile ein Buch nie nach seinem Cover. Wobei...
Adam: ach, wir reden ganz schön gehässig über andere Bands!

Reden wir über euch. Hattet ihr schon mal richtig schlimme Auftritte?

Matt: der Auftritt, der mir sofort in den Sinn kommt, war bei einem Festival in einem Park in Glasgow, gemeinsam mit einigen anderen lokalen Bands. Es lief auch anfangs ganz gut, obwohl nicht schrecklich viele Leute da waren.
Michael: kennt ihr den Song Sweethearts in disguise? Da gibt es eine Stelle, an der Kim ein paar sehr tiefe Töne spielt
Matt: das soll beim Hören so ein Grummeln im Bauch erzeugen, das ist eben eine Menge Bass. Bei diesem Konzert...
Michael: Adam kann das gut nachmachen! Kim spielte also diesen Ton und die gesamte PA machte...

[Adam erzeugt ein eklig hohes Quietschgeräusch]: weeeeeee!

Adam: und dann fiel die Anlage aus!
Michael: ja, wir haben die PA zerstört
Matt: das war nicht so gut; nach gerade mal drei Liedern
Michael: ... bei einem Familienfestival...
Matt: ... das wir ruiniert haben
Kim: nach uns sollten noch einige Bands spielen, die sich extrem auf ihre Auftritte gefreut hatten
Matt: da waren so viele Kinder im Publikum, die einen besonderen Tag erleben wollten, und wir haben den versaut!
Adam: und da waren viele Hunde. Weeeeeee! Irgendwann haben sie die Anlage wieder hinbekommen...
Matt: aber uns haben sie nicht mehr spielen lassen...

Habt ihr für heute abend ähnliche Pläne? Ich bringe nämlich meinen kleinen Neffen mit, für den soll es auch ein besonderer Tag sein

Matt lacht: wir machen das nicht noch einmal!
Michael: wir bemühen uns zumindest

Ist das euer erstes Mal in Deutschland?

Matt: ja!
Michael: du warst mal in Berlin, oder?
Matt: ja, im Urlaub. Aber als Band ist das Premiere
Michael: ich war noch nie hier
Adam: ich auch nicht
Kim: vor Jahren war ich mal mit meinem Vater und einem Orchester hier aber ich erinnere mich kaum noch. Als wir über den Rhein gefahren sind, fiel mir ein, daß ich schon mal hier war

Was waren die besten Orte, an denen ihr bisher gespielt habt?

Kim: Den Haag war besonders
Matt: das war unser einziges Konzert außerhalb Großbritanniens bisher - außer Dublin
Kim: wir haben in Den Haag in einer Kirche gespielt
Michael: in der Lutherse Kerk, beim Walk The Line Festival
Matt: vor uns spielte Harper Simon, der Sohn von Paul Simon. Der sah exakt so aus wie Paul Simon und klang auch exakt so! Die Chapin Sisters, Harry Chapins Nichten, waren Background Sängerinnen
Michael: das war an Adams Geburtstag
Matt: als wir das erwähnt haben, hat das Publikum Happy Birthday gesungen, aber in einer komischen Version
Michael: das war wohl die niederländische Version. Und am Ende machte das Publikum plötzlich die Welle und rief

[alle vier brüllen]: hipdibidib hurraaa!

Michael: dann haben wir auf der Insel Mull gespielt, in Tobernay. Mull liegt vor der schottischen Westküste. Das Konzert war wundervoll, der Saal fasste 60, vielleicht 75 Leute
Kim: und das Bowlie war natürlich besonders!
Matt: nach den Beatles auftreten zu dürfen... [Zoey Van Goey spielten da nach Them Beatles, der wohl besten und originalgetreuesten Coverband]
Adam: wir haben deren Schnurrbärte gesehen, oder?
Matt: ja, backstage. Oh mein Gott, wir waren backstage bei den Beatles!
Kim: sie hatten in der Garderobe kleine Schnurrbärte auf Pappe aufgeklebt, darunter standen die Namen zum Bart

Wo würdet ihr gerne einmal spielen?

Michael: diese kleine Tour ist schon ein Traum, der in Erfüllung geht
Matt: wir würden gerne mehr in Europa touren...
Michael: ... das ist aber schwierig, vor allem teuer. Also ist es eine großartige Gelegenheit, die Stuart Murdoch und Belle & Sebastian uns bieten. Für mich als Musiker ist es traumhaft, so an Orte zu kommen, die ich sonst nie sehen würde. Hier in Köln zu sein, ein Konzert zu spielen und die Gelegenheit zu haben, den Dom zu sehen, das ist toll!
Kim: und Leute zu treffen, mit denen wir Kuchen essen!
Adam: yeah!
Michael: ich war auch noch nie in Paris. Wenn man mir vor einem Jahr gesagt hätte, daß unsere erste Europatour so aussieht, hätte ich das nicht geglaubt

Den Traum, mit Belle & Sebastian zu spielen, habt ihr euch also erfüllt. Gibt es andere Traumkonstellationen? Irgendwelche Musiker, mit denen ihr arbeiten wollt? Wobei das eine blöde Frage ist, weil ihr ja schon mit vielen coolen Menschen bei euren Platten zusammen gearbeitet habt

Adam: gehen auch uncoole Leute?
Michael: wir sollten erwähnen, daß Adam zum Teil auch ganz andere Bands mag

Kiss, oder?

Adam: ganz genau!
Michael: also Gene Simmons?
Adam [nickt]: der ist ziemlich uncool!

[Matt geht kurz ins E-Werk, um den Bühnenaufbau zu kontrollieren]

Spielt ihr auch mit Belle & Sebastian in München?

Michael: nein, nur die kommenden drei Shows, Rotterdam, Brüssel und Paris
Adam: und dann geht es zurück ins verregnete Glasgow

A propos Glasgow, es ist irre, wie viele Bands von da kommen. Woran liegt das?

Adam: Glasgow ist eine große Stadt, fühlt sich aber nicht groß an. Viele Musiker kennen sich...
Kim: ... und spielen in den Bands der anderen
Michael: es gibt nicht furchtbar viele Leute, die Musik machen, aber die Leute machen viel Musik, falls das Sinn macht
Adam: mir fiel neulich noch ein Grund ein. Ich unterrichte ein wenig Musik an der Universität. Neulich hat ein Student die These vertreten, daß es so ein Glasgow-Gefühl gibt. "Wir sind in Glasgow, wir brauchen die Leute aus London nicht!" Das motiviert die Menschen in Glasgow

Auf dem Bowlie...

Michael: Glasgow geht aus!
Adam: für uns war das wie in Glasgow - nur woanders. Wir haben die gleichen Leute gesehen - Bands und Zuschauer!

[Matt kommt zurück]

Matt: sieht gut aus
Kim: Keyboard?
Matt: ja!
Kim: sehr gut! Wir sind geflogen und konnten daher nicht viel Equipment mitbringen. Belle & Sebastian helfen uns aus. Es ist aber immer beruhigend, wenn dann wirklich alles klappt!
Matt: wir haben noch nie eine solche Tour gemacht. Wir haben keine Ahnung, was wir machen!
Michael: viele Bands haben tolle Taschen und Boxen für ihre Instrumente und ihr Equipment. Wenn wir in Schottland spielen, transportieren wir das meiste in Einkaufstüten

[Ich hebe meine Einkaufstasche hoch]

Matt: genau! Das ist unser Case!
Michael: wir sind immer noch überrascht, daß wir es bis hierher geschafft haben!

Also müsst ihr keine Toy Instruments benutzen?*

Michael: nein, am nächsten kommt da unser Casio Keyboard, ein Casio PT 30. Das haben wir von einem Freund von Matt bekommen, der darauf als Kind gespielt hat. Das war unser erstes Instrument
Kim: als wir angefangen haben, hatten wir ein Schlagzeug, eine akustische Gitarre und das Casio Keyboard
Michael: Foxtrot vandals, unser erstes Lied, haben wir darauf geschrieben. Es hat einen kleinen Knopf, um die Akkorde zu speichern. [er singt] "C - F - G - F"
Adam: ihr hört das nachher!

Claudia: kennt ihr deutsche Bands?

Michael: ich habe darüber nachgedacht. Weil wir morgen mit dem Zug weiterfahren, habe ich Trans Europa Express von Kraftwerk mitgebracht. Kraftwerk ist die deutsche Band, die ich am besten kenne, muß ich gestehen. Ach, natürlich, die Krautrock-Bands! Neu oder Can! Paul Savage [Ex-Delgados], der unsere Alben produziert hat, ist riesiger Can Fan
Matt: er trinkt seinen Kaffee aus einer Can Tasse
Michael: könnt ihr uns denn aktuelle deutsche Bands empfehlen?

Claudia: das ist nicht leicht, weil bei denen meist die Texte sehr wichtig sind, und wenn man die nicht versteht, weiß ich nicht, ob die gut sind

Michael: vielleicht könnt ihr uns helfen. Wir haben vorhin im Hostel einen Song gehört, in dem es um Che Guevara, Teenage Fanclub und Iron Maiden ging

Das ist ein Lied von Locas In Love, einer Kölner Band
Claudia: Get Well Soon sind aus Deutschland...

Michael: Get Well Soon sind Deutsche? Das wußte ich nicht!
Matt: ... und Neon Golden...?
Michael: The Notwist, natürlich! City Slang sind ein tolles Label. Ich habe immer viele Bands gehört, die da sind. Wir haben City Slang mal ein Demolied geschickt, sie haben es aber wohl nicht gemocht...


* Zoey Van Goey haben in einem Interview einmal gesagt, daß sie ein Plastiksaxophon besitzen, das sie zu gerne einmal musikalisch einbauen würden




Freitag, 11. März 2011

Phillip Boa And The Voodooclub, Koblenz, 10.03.11

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Interview: Phillip Boa
Ort: Café Hahn, Koblenz, 30 Minuten nach Konzertende
Datum: 10.03.2011


Ein spannendes Konzept, zwei alte Platten an einem Abend zu spielen und der Auftakt einer Deutschland-Tour ausgerechnet in Koblenz liessen einige Fragen offen. Dirk von Platten vor Gericht interviewte Phillip Boa nach dem Konzert.

Wie war für dich der Tourneeauftakt in Koblenz heute Abend?

Erstmal war ich überrascht, dass es ausverkauft war, weil Koblenz normalerweise nicht eine Hochburg von uns ist.

Ihr wart ja nicht zum ersten Mal hier...

Ich kann mich an ein Konzert vor ungefähr 7 Jahren erinnern - und das war nicht schön.

Heute Abend waren wir sehr, sehr nervös, aus dem Grund, weil das Programm sehr schwierig zu spielen ist. Es hat sehr viele Avantgarde-Einflüsse und die Songs in sich klingen nicht komplex, sind aber komplex. Da kann man noch so viel üben, es ist schwierig das zu transportieren. Das war jetzt nicht das euphorische Publikum von Hamburg oder Berlin, aber die Leute haben das verstanden, und die haben zugehört. Zu den meisten Songs kann man ja auch nicht gerade abgehen. Wir haben das heute recht gut gemacht und es hat Spaß gemacht. Für einen Auftakt war das schon mal cool. Wir sind zufrieden, denn wir hatten ganz schön Angst davor, weil das Programm so schwierig ist. Der Keyboarder hatte psychomotorisch das ganze Auge rot und sah aus wie ein Zombie! Wir hatten schon befürchtet, er könnte nichts mehr sehen. Das ist wie die Angst des Torwarts vorm Elfmeter.

Nimmt diese Angst denn im Verlauf der Tour ab?

Ja klar, natürlich. Aber man spürt, dass die Leute das respektieren und das fand ich gut jetzt an dem Konzert. Ich habe keine Sekunde daran gezweifelt, dass die Leute das anerkennen. Egal wie man es jetzt findet, zu strange, zu cool oder zu anstrengend, die Leute haben Respekt gezollt, dass es mal etwas anderes war.

Wie kommt es, dass man nach den schlechten Vorerfahrungen seinen Tourneeauftakt ausgerechnet nach Koblenz verlegt?

Ich habe mir den Club hier mal angesehen, weil unsere Merchandiserin aus Koblenz kommt und uns den Club empfohlen hat, und dann habe ich mit dem Chef eine Führung gemacht und fand hier alles sehr Künstler freundlich. Hier haben auch schon sehr viele Leute aus der Jazz-Szene gespielt, die ich respektiere. Außerdem ist ein 500er-Club außerhalb der Metropolen genau die richtige Größe. Hier wird man als Künstler mit Respekt behandelt, das ist nicht mehr überall so. Außerdem ist es ein schöner Club - was will man mehr? Es war cool und ich bin glücklich, dass wir es so gemacht haben.

Wenn ich irgendwo ein schlechtes Konzert gemacht habe, dann ist das nächste auch ein Wiedergutmachungs-Konzert, wie morgen in Siegen, denn dort war es beim letzten Mal nur halbvoll, und wir nicht richtig motiviert und das will ich dann wieder gutmachen. Deshalb haben wir morgen diese Aufgabe vor uns: Ich will, dass die Leute aus den Konzerten gehen und glücklich sind.

Ist es beabsichtigt, dass ihr zuerst in kleine Städte geht – Koblenz, Siegen, Dessau, alle ausverkauft – bevor zum Beispiel Berlin, mit Zusatzkonzert, Frankfurt und Köln anstehen?

Absolut. Die ersten drei Konzerte sind so genannte Warm-Ups, aber du darfst den Leuten nicht das Gefühl geben, dass es so ist.

Berlin läuft besonders gut diesmal. Aber wenn du in Berlin spielst, hast du aufgrund der Medien einen besonderen Druck. Die Leute dort sehen jede Woche fünf Bands und stehen erstmal so mit verschränkten Armen da und denken, jetzt zeigt mir mal was. Das ist für so ein Programm keine gute Voraussetzung, da muss man sich erst warm spielen und da war es heute vermutlich konzentrierter als in drei Wochen in Berlin.

Wer kam auf die Idee die Alben „Helios“ und „Boaphenia“ neu zu veröffentlichen?

Die Alben waren vergriffen, gab es nicht mehr - warum auch immer. Dann habe ich die Plattenfirma angeschrieben und gesagt, dass das nicht schön ist, weil ich so daran hänge. Dann haben wir zusammen die Idee ausgebrütet die Ebay-Preise, die für unsere B-Seiten teilweise astronomisch hoch sind, zu senken und alles auf ein Album zu packen. Außerdem haben wir noch unveröffentlichte Songs aus dem Archiv geholt und den Sound optimiert. Der Gesamtsound ist zeitgemäßer und konkurrenzfähig mit Alben aus der Jetztzeit.

Es scheint ein Trend in den letzten Jahren zu sein, dass Bands ihre „Meisterwerke“ live komplett aufführen – The Charlatans „Some Friendly“, Primal Scream „Screamadelica“, Mercury Rev „Deserter’s Song“ – welches ist eigentlich dein „Meisterwerk“?

Das ist schwierig zu sagen. Bei Primal Scream ist „Screamadelica“ eine klare Angelegenheit, weil es auch den Zeitgeist der damaligen Rave-Szene widerspiegelt. Aber bei uns sind es schon mehrere Alben: „Hair“ gehört definitiv auch noch dazu oder „Hispanola“. Du siehst ja, auf dem Cover des NME ist ein altes Foto von Bobby Gillespie, und der hält sein Album hoch. Der NME ist die coolste Musikzeitschrift der Welt und trotzdem tun die so was. Das hat damit zu tun, dass der Stellenwert von Rock-, Indie- oder Alternativmusik in England oder den USA ein vollkommen anderer ist als hier. Der NME hat das erkannt, aber hier wird das nicht gesehen. Ich finde unser Material wichtig und zeitlos, „Helios“ klingt auch nicht wie die anderen deutschen Bands. Also habe ich das Recht dazu.

Werden weitere Re-Releases folgen?

„Copperfield“, „Hair“ und „Hispanola“ gab es auch schon als Re-Release, aber dummerweise nicht im Digipack oder mit exklusiven Songs. Wir haben dann auch auf der Tour vor einigen Jahren drei Alben live gespielt, aber das war der Wahnsinn, das war krank.

Wie sieht es mit Vinyl-Wiederveröffentlichungen aus?

Universal ist ein Riese. Du musst dir vorstellen, Universal hat einen Katalog von Zig-Tausend Platten, ist unterbesetzt und kann viele Sachen nicht schaffen. Leider.

Bei uns waren sie jetzt sehr hilfreich. Ich wünsche mir Vinyl, das ist aber kein Projekt, das ich sofort umsetzen muss. Ich bin schon froh, dass die CDs wieder veröffentlicht wurden.

Also ist die Hoffnung, meinen Plattenschrank nach der „Hair“ noch weiter aufzufüllen, noch nicht verloren...

Es gibt Vinyl-Platten die du einfach noch nicht hast, das ist das Problem, weil es dich nicht mehr interessiert hat. Wie meine letzte, Doppelalbum, mit Jacki Liebezeit, 180 Gramm, total cool. Nur du hast es eben verpasst!

Erst hat man sich alle Platten auf CD nachgekauft und jetzt ist man dabei das alles wieder rückwärts zu machen. Also kaufe ich seit einem Jahr auch wieder Vinyl.

Woher kenne ich das? Das ist schön anachronistisch und wunderbar.

Als ihr euch mit dem Konzept auseinandergesetzt habt, beide Alben komplett live zu spielen, gab es da auch Songs, bei denen ihr dachtet, die müssen wir jetzt aber nicht unbedingt spielen?

Ja, es gibt Songs, die will man nicht spielen, wie zum Beispiel dieses „Pfirsischeisen“ mit den Krummhörnern. Das ist komplex, hat nichts mit Rockmusik zu tun und man will es nicht, weil man Angst davor hat. Aber ich fühle mich dazu verpflichtet, es ist Teil des Albums. Da gehören noch ein paar andere dazu, aber es geht, man muss viel üben. Eine Ausnahme ist „Where my rats play Snooker“, da habe ich auch Angst vor, das ist glaube ich Stück 11 auf „Boaphenia“, das haben wir weggelassen.

Warum habt ihr denn die Alben nicht wirklich chronologisch durchgespielt? Sollten am Ende noch einmal drei richtige „Kracher“ kommen?

„And then she kissed her“ wäre eigentlich das erste gewesen. Aber dramaturgisch haben wir schon sehr viel riskiert, weil die Leute auch „Kill your Idols“ erwarten, und vielleicht sind sie ein bisschen enttäuscht, aber „Kill your Idols“ ist nun mal nicht auf den Alben. „Wonderless“ ist für den Anfang zu kompliziert, also haben wir ein simpleres, „Utopia“, mit einer Message nach vorne getan.

Wie war es denn, ein Konzert zu geben und auf solche Klassiker wie „Diana“, „I dedicate my soul to you“ oder „Kill your Idols“ konzeptionell verzichten zu müssen?

Komisch, es ist anders und nicht so ein typisches Rockkonzert. Es ist merkwürdig, eine andere Form von Kultur. Am liebsten würde man es spielen, aber andererseits weiß ich, dass man mein Leben lang von mir erwartet wird, als letztes „Kill your Idols“ zu spielen. Und diese Erwartungshaltung möchte man dann natürlich einmal brechen.

Als Zugabe statt dessen ein Cover der Vaselines war natürlich sehr passend. Hast du eine besondere Beziehung zur Band oder warum hast du den Titel ausgewählt?

Ich hatte mal ein Label früher und die waren ein Teil von Constrictor, denn wir hatten die im Verlag und auf zwei Compilations. Eine Zeit lang waren die in Deutschland sogar populärer als in England, dann haben Nirvana die irgendwann entdeckt und erkannt, dass die Songs schön sind. Ich bin von beiden Bands Fan.

Diese Version spielen wir manchmal in der Zugabe und wir merken, die Leute mögen das. Ich dachte zuerst, das kennt niemand, aber das stimmt nicht, das kennen die Leute.

Welche Platte von welcher Band würdest du gerne einmal live und komplett hören?

Ungefähr 5000! [lacht]

Du darfst aber nur eins nennen...

Jedes David Bowie-Album, das waren jetzt schon mal 25. Und wie heißt noch einmal das Album von Oasis mit „Live forever“ drauf...

„Definitely Maybe“

... denn das ist immer unser erstes Stück, wenn wir von der Bühne gegangen sind. Oder „The White Album“ von The Beatles.

Das geht wohl nicht mehr. Aber wirst du dir denn Konzerte von Beady Eye ansehen?

Ja,... [zögert] ... ich habe kein Problem damit, klingt wie die späten Oasis. Wenn man „The Roller“ fünfmal gehört hat, ist es so gut wie „Layla“. Ich finde Liam Gallagher cool, er hat was Eigenes und er sagt einfach nur was er denkt, was manchmal total daneben geht und manchmal nicht.

Woher kenne ich das? - Im letzten Jahr erschien, nur über deine Homepage, dein zweites Live-Album „Live Exile On Straight Street“ – wie kam es dazu und sehen so die Vertriebswege der Zukunft aus?

Die Fans haben so danach gefragt, ich bin eigentlich kein Freund von Live-Alben. Und mit Downloads verdient keine Band Geld. Bei Radiohead war es eine super Marketing-Idee, die sie jetzt wiederholen, aber letztlich ist das Physische entscheidend. Wir haben teilweise sehr viele legale Downloads, zum Beispiel von dem Song „And then she kissed her“, was man aber daran als Künstler verdient... Wenn das die Zukunft ist, dann gibt es bald keine Künstler mehr! Wahrscheinlich ist es dasselbe im Film- und im Literatur-Bereich. Es klingt jetzt konservativ, und ich habe selbst ein E-Book von Amazon, das hat einen großen Coolness-Faktor, man hat es immer dabei und kann alles schnell downloaden, aber das ist nicht das, wofür ein Künstler sein Herz hergibt.

Wann wird es ein neues Phillip Boa Album geben?

Vielleicht nächstes Jahr. Ich bin echt gut drauf, diese Songs haben mich inspiriert.

Eine Frage noch zum Schluss: Welche Frage würdest du denn in Interviews gerne einmal hören?

[lacht] Das lernt ihr doch in der Journalistenschule! Da wirst du nie von einem Künstler eine Antwort drauf erhalten, weil es immer die letzte Frage ist.

Dann eine andere Frage mit einer kleinen Vorgeschichte zum Schluss, die du bestimmt noch nicht gehört hast: 1988 stand ich als 17jähriger...

1988 - 17 Jahre alt. Scheiße, wie alt bist du denn?

Bei Beady Eye feiere ich Montag meinen 40.

Da hast du aber gute Gene.

... nach langer Anreise traurig und enttäuscht vor dem Alten Wartesaal in Köln, weil anstatt meines ersten Boa-Konzertes dort ein Zettel mit der Aufschrift „Das Konzert muss wegen Krankheit des Sängers ausfallen“ hing. Was hattest du damals schlimmes, dass du nicht auf die Bühne gehen konntest?

Als erste Antwort kann ich dir geben: Es war nie im Leben jemals ein Konzert im Alten Wartesaal in Köln geplant!

[Michael, der Tourmanager, schaltet sich ein:] Abzocke vom Veranstalter oder der ist vorgeprescht, hat es groß angekündigt, Tickets gedruckt und es ist mit der Agentur nie zustande gekommen. Ich führe das Live-Archiv und weiß auch nichts von einem Konzert im Alten Wartesaal.

Ich weiß alles, über alle meine Konzerte, das ist echt obskur!

Als zweite Antwort kann ich dir noch sagen: Ich habe in meinem Leben nur ein Konzert abgesagt und das war nur aus Arroganz. Ich habe in Köln definitiv kein Konzert ausgesetzt. Ich gehe mit 40°C auf die Bühne, wenn ich nicht tot bin, dann komme ich auch, weil mir macht das total Spaß, das ist meine Berufung!


 

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